Meine Perspektive auf Diagnosen oder: „Was ist eigentlich gesund und was ist krank?“

Meine Perspektive auf Diagnosen und „psychische Erkrankungen“ grenzt sich von (den meisten) psychiatrischen oder psychologischen Ansätzen ab. Ich arbeite im Rahmen meiner systemischen Beratung bzw. meines Coachings nur dann mit Diagnosen, wenn mein Gegenüber sich dies ausdrücklich wünscht.

Krank oder gesund? Der gesellschaftliche Kontext entscheidet!

Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass es sich bei der Unterscheidung in kranke und gesunde Verhaltensweisen um einen gesellschaftlichen Konsens handelt (mehr dazu finden Sie in meinem Blogartikel). Dieser verliert nicht selten die Funktionalität und den Kontext eines Verhaltens aus dem Blick. Beide sind jedoch m.E. essentiell, um Verhaltensweisen verstehen und nachhaltig verändern zu können.

Psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen als Lösungsversuch

Ein (stark vereinfachtes!) Beispiel für meine Perspektive auf Diagnosen:

Ein Kind, das sich unaufmerksam und unkonzentriert im Unterricht verhält, kann als „krankes ADHS-Kind“ beobachtet werden. Dieser Blickwinkel kann hilfreich sein. Häufig entlastet eine Diagnose zunächst das nahe Umfeld. Die diagnostische Perspektive kann aber auch den Blick unnötig einschränken.

So ist denkbar, dass sich das Kind nicht störend verhält, weil es per se krank ist, sondern weil es z.B. Angst hat, unter 30 weiteren Kindern „unterzugehen“ (Funktionalität). Möglicherweise zeigt es das gleiche Verhalten im Fußballverein (anderer Kontext) nicht, da es dort anderweitig, z.B. durch tolle Dribbeleinlagen, Aufmerksamkeit bekommt.

Egal, ob es sich um Kinder oder Erwachsene handelt: In der Funktionalität und im Kontext einer Verhaltensweise liegt der Schlüssel verborgen, um die gute Absicht eines Verhaltens verstehen zu können und im Anschluss nach alternativen Verhaltensweisen suchen zu können.

So könnte unser störendes Kind bspw. die Rolle des Klassensprechers übernehmen, um auf eine neue, positive Art und Weise Aufmerksamkeit zu erhalten.

Zur „Verhaltensstörung“ aus systemischer Sicht finden Sie bspw. in diesem Artikel von Prof. Winfried Palmowski nähere Informationen. Wenn Sie mehr über meine Herangehensweise erfahren wollen, schauen Sie sich gern meine Erläuterungen über meine Arbeit an.

Verschmitzter Junge © Виктория Бородинова auf Pixabay